Selen – der Schutz vor oxidativem Stress

Selen - zwei Fische die in die gegenüberliegende Richtung schauen

Selen ist ein essentielles Spurenelement und schützt unsere Zellen und Chromosomen vor Peroxiden, die den sogenannten oxidativer Stress auslösen.

Als aktivierender Cofaktor für das Schlüsselenzym unserer körpereigenen Abwehrfunktion, die Glutathionperoxidase ( GSH-Px) macht Selen freie Radikale unschädlich und verhindert so die Zellschädigung in verschiedenen Gewebearten unseres Körpers.
Grundsätzlich kommt Selen in sämtlichen Körperzellen und Körperflüssigkeiten vor, mit höchsten Konzentrationen in Schilddrüse, Nieren, Leber, Milz, Herz und der Prostata.

Neben der Glutathionperoxidase (GSH-Px) gibt es eine Reihe weiterer Enzyme und Proteine, die für ihre Funktionalität dringend Selen benötigen. Die sind zum Beispiel die Dejodase der Schilddrüse und die Thioredoxinreduktase, die jeweils für die Regeneration von verbrauchtem Glutathion und Thioredoxin benötigt werden, so dass deren antioxidativen Eigenschaften auch weiterhin erhalten bleiben.

Bei der Synthese der Schilddrüsenhormone T3 und T4 entstehen Wasserstoffperoxid und Sauerstoffradikale (ROS, reaktive oxygene species), die das Schilddrüsengewebe schädigen können.
Durch Glutathion und Thioredoxin wird die Schilddrüse vor diesen Schädigungen geschützt. Vor allem Nahrungsmittel, die eine deutlich erhöhte ROS Produktion hervorrufen, wie zum Beispiel Soja, können unser Schilddrüsengewebe schädigen. In einem solchen Fall ist eine hohe Funktionalität unseres antioxidative Systems notwendig.

Selen ist außerdem zuständig für die Bildung unseres aktiven Schilddrüsenhormons T3.
Ein Selenmangel verursacht daher aufgrund der verminderten T3 Konzentration zum einen eine Unterfunktion unserer Schilddrüse und zum anderen eine erhöhte Anfälligkeit für unser Schilddrüsengewebe durch eine erhöhte Konzentration an anfallenden ROS und daraus folgenden Schädigungen.
Diese Schutzfunktion erfüllt Selen auch in unserem Darm, in dem sich die meisten Immunzellen unseres Körpers befinden und in dem grundsätzlich immer eine hohe Konzentration an ROS aufkommt. Eine ausreichende Selenkonzentration verbessert daher enorm unsere Darmgesundheit.

Ist unsere endogene Radikalhomöostase gestört, kann dies zur vorzeitigen Alterungsprozessen, funktionellen Beeinträchtigungen unterschiedlicher Gewebe und Organe bis hin zu Schäden unseres Genpools verursachen.

Selen reguliert außerdem die Zelldifferenzierung und Zellproliferation und stärkt unsere Immunkompetenz, indem es die natürlichen Killerzellen schärft, die daraufhin krankhafte Zellen oder sogar Tumorzellen spezifisch in die Apoptose (=Zelltod) treibt.

Ebenfalls findet die Detoxifikation (Entgiftung) von Schwermetallen wie zum Beispiel Quecksilber oder Cadmium durch Selen statt. Selen bindet Quecksilber und scheidet es langsam aus.

Die Schutzfunktion von Selen erstreckt sich auch auf Umwelt und Strahlenbelastung. Es wirkt Antiviral und schützt uns vor chemischen Mutagenen und Karzinogenen, wie sie auch häufig bei Rauchern vorkommen.

Auch in der Entwicklung von Spermienzellen des Mannes nimmt Selen eine zentrale Bedeutung ein und ist somit auch für den Erhalt der Zeugungsfähigkeit enorm wichtig.

Grundsätzlich kann eine höhere Selenaufnahme also in vielen Fällen unsere Gesundheit verbessern!

Innerhalb Europas zählt Deutschland zu den sogenannten Selenmangelgebieten, da auch trotz einer ausgewogenen Ernährung pro Person nur circa 45 µg Selen pro Tag über Lebensmittel aufgenommen werden. Dies liegt wahrscheinlich in der zunehmenden Selenarmut unserer Böden durch eine zunehmende Auswaschung begründet.

Die Symptome, die ein Selenmangel auslösen kann, sind aufgrund der in erster Linie auftretenden Funktionsstörung zunächst nur schwer zu zuordnen und nicht so leicht zu erkennen.
Allgemeine Symptome können Infektanfälligkeit, Müdigkeit und Depressionen sein. Anhaltspunkte können eine schuppige und trockene Haut sein mit zunehmend auffälligen Nagelveränderungen. Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte grundsätzlich auch immer eine Abklärung des Selenstatus zur Folge haben. Gerade Sportler klagen häufig über zunehmende muskuläre Probleme, Leistungsknick, Schwäche und Müdigkeit.

Die empfohlene Tagesdosis an Selen laut DACH beträgt für Jugendliche und Erwachsene 30-70 µg pro Tag.
Die Empfehlung in der Mikronährstoff Medizin zur allgemeinen Prävention lauten 200 µg Selen pro Tag.
Die EFSA empfiehlt eine Tagesdosis von 300 µg täglich.
Laut Studien zeigen Dosen bis zu 800 µg pro Tag keine schädlichen neben Effekte (NOAEL).

Bei einer längerfristigen und höher dosierten Anwendung von Selen sollte allerdings stets eine ärztliche und labordiagnostische Kontrolle des Selenspiegels im Vollblut erfolgen, denn in zu hohen Dosen kann Selen gefährlich werden.

Im Vollblut sollte der Richtwert von 130-170 µg/Liter angestrebt werden. Die Selenspiegel-Bestimmung aus dem Serum bildet nicht immer ein realistisches Bild des tatsächlichen Selenstatus ab. Daher ist die Bestimmung aus dem Vollblut stets vorzuziehen.

Lebensmittel, die in Abhängigkeit ihres möglichen Selengehaltes den täglichen Selenbedarf abzudecken vermögen sind beispielsweise 200 g Hering, 8 Paranüsse, 250 g Sardinen, 350 g Sojabohnen, 400 g Weizenvollkornbrot, 600 g Rindfleisch, 700 g Schweinefleisch oder 800 g Lachs, Dorsch, oder Seezunge.
Eine Selen Substitution sollte durch Präparate erfolgen, die Natriumselenit oder Natriumselenat enthalten, die im Gegensatz zu Selenomethionin akut bioverfügbar sind. Außerdem zeigen diese anorganischen Selenpräparate keine Tendenzen, in unserem Körper zu akkumulieren und möglicherweise zu Schädigungen zu führen. Die Einnahme sollte mit 1-2 Stunden Abstand zu den Mahlzeiten stattfinden.

Wenn Du noch mehr über Selen erfahren möchtest, dann besuch unsere Seite unter www.docnu.de und ruf den Blog auf! Hier findest Du noch einige Informationen mehr rund um Selen.

Nächste Woche geht´s weiter mit dem Mikronährstoff-Mittwoch!
Also, bis hoffentlich nächste Woche.
Stay tuned,
Dein Docmosen


Quellen:

Mutschler Arzneimittelwirkungen, Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Mutschler et al., 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Mikronährstoffe, Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, U. Gröber, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Metabolic Tuning statt Doping, Mikronährstoffe im Sport, U. Gröber, Hirzel Verlag Stuttgart

Mikronährstoffe im Sport, M. Schauer, 1. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte

Perfect Health Diet, Die sicherste Art sich zu ernähren, P. Jaminet & Shou-Ching Jaminet, 1. Auflage 2018, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart