Vitamin B12 – für einen gesunden Stoffwechsel

Vitamin B12 - Fisch

Vitamin B12 (Cobalamin)

 

Das Vitamin B12 wurde erst 1948 als letztes der bekannten Vitamine entdeckt.

Erst sieben Jahre später konnte seine Struktur aufgeklärt werden. 

Grundsätzlich existieren mehrere Formen des Cobalamins, die alle unter dem Sammelbegriff Vitamin B12 zusammengefasst werden. Die für unseren intermediär Stoffwechsel bedeutenden Formen sind Methylcobalamin im Zytosol unserer Zellen und Adenosylcobalamin in unseren Mitochondrien.

Neben diesen aktiven Formen existieren noch beispielsweise das Cyanocobalamin und das Hydroxocobalamin.

Das Methylcobalamin wird zwar nicht besser resorbiert als das Cyanocobalamin, allerdings wird es stärker retiniert (= zurückgehalten) und langsamer ausgeschieden, wodurch mittels Methylcobalamin eine raschere Aufsättigung erzielt werden kann. Außerdem flutet es stärker in den Zielgeweben, zum Beispiel im ZNS an.

 

Dem Vitamin B12 werden, verglichen mit anderen Vitaminen der B Gruppe, zwei bedeutende Unterschiede zu Teil. Zum einen kommt es in der Natur so gut wie nicht vor, sondern muss von den Mikroorganismen in unserem Darm beziehungsweise in der Darmflora von Tieren, die wir regelmäßig verspeisen erst noch gebildet werden (z.B. Rind und Schwein), zum anderen ist unser Körper in der Lage, das Vitamin zu speichern.

 

Der Gesamtvorrat des gesunden Erwachsenen von 2-5 mg Vitamin B12 findet sich vor allen Dingen in der Leber und in der Muskulatur.

Da unser Körper täglich zwischen 2-5µg Vitamin B12 benötigt, würden unsere Vitamin B12 Vorräte für etwa 2-3 Jahre lang halten. Und trotzdem zählt ein Vitamin B12 Mangel trotz ausreichender Zufuhr zu den am häufigsten behandelten Vitamin-Mangelerkrankungen.

Eine Ursache hierfür liegt auch darin, dass wir viele Nahrungsmittel mit sogenannten „leeren Kalorien“, zum Beispiel zuckerhaltigen Getränke zu uns nehmen. Die Folge ist, dass viele von uns einen Mangel der Vitamin B-Reihe erleiden.

 

Vitamin B12 muss, um aufgenommen werden zu können, an den sogenannten „Intrinsischen Faktor“ (IF) gebunden wenden. Dieser IF wird in unserem Magen produziert. Das durch die Nahrung aufgenommene Vitamin B12 wird im Magen und auch in Teilen unseres oberen Dünndarms an den IF gebunden, wandert als ein Komplex durch unseren Dünndarm und wird am Ende unseres Dünndarms, im Ileum, aktiv resorbiert. Anschließend wird es an seinen Transportprotein, dass Transcobalamin gebunden und so in die Blutbahn abgegeben.

 

Vitamin B12 ist als Coenzym an wesentlichen Reaktionen unseres Stoffwechsels beteiligt. Es ist verantwortlich für die Synthese von Methionin aus Homocystein, wobei gleichzeitig Tetrahydrofolsäure (die aktive Form von Folsäure) gebildet wird.

Es steuert außerdem unsere DNA-Synthese und die Biosynthese von Purin– und Pyrimidin-Basen, wodurch es eine große Bedeutung in unserem Zellwachstum und unserer Zellvermehrung hat.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehört auch die Ausreifung neuer Zellen und unserer roten Blutkörperchen (Erythrozyten) aus noch unreifen kernhaltigen Vorstufen in unserem Knochenmark.

Das Adenosylcobalamin ist außerdem bei Abbaureaktionen ungeradzahliger Fettsäuren beteiligt, die im Zuge des Abbaus von Propionsäure anfallen, sowie beim Abbau verschiedener Aminosäuren, wie z.B. Threonin, Methionin und Leucin. Hierdurch entsteht ein direkter Anschluss an den Citratzyklus.

 

Mögliche Mangelsymptome können ganz allgemein Appetitlosigkeit, Schwäche, leichte Ermüdbarkeit, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen, Tinnitus (Ohrgeräusche) und eine blasse Haut sein. Am Auge können sich Störungen des Sehvermögens entwickeln, im Blut können Reifungsstörungen, vor allen Dingen der roten Blutkörperchen auftreten.

Aufgrund seiner Verbindung zum Zellwachstum und zur Zellvermehrung können in unserem Immunsystem eine Abwehrschwäche und eine vermehrte Infektanfälligkeit auftreten. Ebenfalls können mitochondriale Dysfunktionen entstehen, verbunden mit einem Anstieg von Laktat und Pyruvat, sowie ein indirekter Folsäure Mangel.

 

Die empfohlene Zufuhr Laut D–A–CH beträgt für

Jugendliche und Erwachsene 3 µg pro Tag oral, für

Schwangere und stillende 3,5-4 µg pro Tag oral

In der Mikronährstoffmedizin zeigen sich deutlich höre Empfehlungen.

Zur allgemeinen Prävention werden 10-50 µg pro Tag oral empfohlen.

Im Rahmen von unterschiedlichen Erkrankungen sind gegebenenfalls noch höhere Dosierungen möglich.

 

Die Einnahme von Vitamin B12 sollte vorzugsweise nüchtern (während oder zu den Mahlzeiten) erfolgen.

 

Auch in höheren Dosierungen zum Beispiel 5mg pro Tag zeigt Vitamin B12 nur eine geringe Toxizität.

 

Wichtig: bei Einnahme von so genannten Protonenpumpenhemmern (zum Beispiel Omeprazol) ist die Magensäurebildung herabgesetzt. Dadurch kann das in der Nahrung an Protein gebundene Vitamin B12 nicht gespalten werden, so dass deutliche Mangelzustände entstehen können.

Beispielsweise sind bis zu 40 % der Menschen über 60 Jahre von einer so genannten „atrophischen Gastritis“ betroffen. Hierdurch kommt es zu einer verminderten Bildung von Magensäure und verminderten Intrinsic Faktor Sekretion.

In solchen Fällen wird eine Vitamin B12 Einnahme von über 100 µg pro Tag empfohlen.

 

 

 

Quellen:

Biochemie des Menschen, F. Horn, G. Lindenmeier et al, 2. korrigierte Auflage, Thieme Verlag

Sport und Ernährung, Chr. Raschka, St. Ruf, 4., unveränderte Auflage 2018, Thieme Verlag

Mutschler Arzneimittelwirkungen, Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Mutschler et al., 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Mikronährstoffe, Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, U. Gröber, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 

Metabolic Tuning statt Doping, Mikronährstoffe im Sport, U. Gröber, Hirzel Verlag Stuttgart

Mikronährstoffe im Sport, M. Schauer, 1. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte

Perfect Health Diet, Die sicherste Art sich zu ernähren, P. Jaminet & Shou-Ching Jaminet, 1. Auflage 2018, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart