Vitamin B2 – zur energetischen Verwertung deiner Makronährstoffe

Ein Glas Milch einschenken - Vitamin B2

Vitamin B2

Vitamin B2 (Riboflavin) wurde 1920 erstmalig aus Milch isoliert, daher stammt auch die andere mögliche Bezeichnung „Lactoflavin“.
Im Jahre 1937 bekam Paul Karrer für die Strukturanalyse den Nobelpreis verliehen.

Die biologisch aktiven Formen von Vitamin B2 sind die wasserstoff- und elektronenübertragenden Coenzyme Flavinmononucleotid (= FMN) und Flavinadenindinucleotid (= FAD), die mit der Nahrung im proximalen Dünndarm aufgenommen werden.

Vitamin B2 ist in folgenden Nahrungsmitteln enthalten:

  • V.a. Milch und Milchprodukte (Aufpassen! Bei lichtdurchlässigen Flaschen entstehen bis zu 80% Vitamin B2 Verluste!)

  • Fleisch, Fisch, Geflügel und Vollkornprodukte

  • 1 Scheibe Vollkornbrot ca. 0,1 mg

  • Haferflocken ca. 0,15 mg / 100g

  • Bäckerhefe ca. 2 mg / 100g

Merke: Bei einer oralen Dosis von 2-25mg legt die Absorptionsquote bei ca. 50-60%.

Vitamin b2 ist schlecht wasserlöslich, äußerst lichtempfindlich, dafür aber hitzestabil.
In der Lebensmittelindustrie wird Vitamin B2 als Lebensmittelfarbstoff E101kenntlich gemacht.

Welche Funktionen werden im menschlichen Organismus durch Vitamin B2 übernommen?

Die biologisch aktiven Vitamin B2 Formen (=Flavine) sind Bestandteil von über 60 Enzymen mit Coenzym-Funktionen und sind dadurch in zahlreichen biologischen Oxidations-und Reduktionsreaktionen aktiv.

Das Vitamin ist Schrittmacher im sogenannten mitochondrialen Energiestoffwechsel und hier vor allem an der oxidativen Phosphorylierung (= Atmungskette, hier v.a. Komplex I und II) maßgeblich beteiligt.

Es ist außerdem absolut notwendig zur energetischen Verwertung unserer Makronährstoffe, also der Kohlenhydrate im Rahmen der Glykolyse, der Fette bei der Dehydrierung von Fettsäuren durch das Enzym „Acyl-CoA-Dehydrogenase“ und der Proteine bei der oxidativen Desaminierung.

Vitamin B2 fungiert ebenfalls als Antioxidans, indem es beispielsweise als Coenzym des Enzyms „Glutathion-Reduktase“ (GSH) das oxidierte Glutathiondisulfid (GSSG) wieder zu reduziertem Glutathion (GSH) regeneriert, so dass es wieder aktiv wird und freie Radikale abfangen kann.

Im Immunsystem stärkt es als Coenzym des Enzyms „NADPH-Oxidase“ die Funktion der Phagozyten (= Fresszellen des Immunsystems) und fördert die Abwehr bakterieller Infektionen und Tumorzellen.

Außerdem ist es ein wichtiges Coenzym in vielen anderen Stoffwechselwegen, z.B. Folsäure-, Vitamin K-, Vitamin B3-, Vitamin B6-Stoffwechsel.

In der Nebennierenrinde ist Vitamin B2 mitverantwortlich für die Synthese von Adrenalin.

Mögliche Vitamin B2 Mangelsymptome können am Auge eine zunehmende Lichtempfindlichkeit, eine Keratitis (Entzündung der Hornhaut) und ein Katarakt (grauer Star = Trübung der Augenlinse) sein. Es kann bei Kindern und Jugendlichen zu Wachstumsstörungen und grundsätzlich bei allen Menschen zu Störungen im Folsäure-, Eisen-, B3-, B6-Stoffwechsel kommen.

Mitochondriale Dysfunktionen (= gestörter Energiestoffwechsel) und

Myopathien (= Muskelerkrankungen) sind möglich. Damit verbunden ist häufig ein Energieabfall, ein Leistungsknick und chronisch auftretende muskuläre Beschwerden.

Im Bereich der Haut/Schleimhäute können Schuppung, Rötung, seborrhoische Dermatitis in der Nasolabialfalte (= juckende und schuppende Haut in der Falte zwischen Nase und Oberlippe), Entzündungen Mundschleimhäute und Zunge und Rhagaden (= schmerzhafte Schleimhauteinrisse) auftreten.

Der tägliche Bedarf beträgt laut D-A-CH:

  • Jugendliche und Erwachsene: 1,2-1,5 mg/d

  • Schwangere und Stillende 1,5-1,6 mg/d

Die Empfehlungen in der Mikronährstoffmedizin liegen hier deutlich höher:

Zur allgemeinen Prävention 5-20 mg/d.
Im Rahmen unterschiedlicher Erkrankungen sind ggf. sogar deutlich höhere Einnahmeempfehlungen möglich.

Grundsätzlich besteht bei Vitamin B2 eine geringe Toxizität, auch bei hohen Dosierungen sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Abschließend noch ein kleiner Hinweis:

Wenn Ihr Vitamin B2 in etwas höheren Dosen einnehmt, als beispielsweise von der D-A-CH empfohlen, werdet Ihr auf der Toilette vielleicht etwas beunruhig sein. Euer Urin könnte plötzlich neon-gelblich oder grünlich schimmern. Das ist nur Ausdruck einer erhöhten Ausscheidung des Riboflavins und vollkommen harmlos.

 

Quellen:

Biochemie des Menschen, F. Horn, G. Lindenmeier et al, 2. korrigierte Auflage, Thieme Verlag

Sport und Ernährung, Chr. Raschka, St. Ruf, 4., unveränderte Auflage 2018, Thieme Verlag

Mutschler Arzneimittelwirkungen, Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Mutschler et al., 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Mikronährstoffe, Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, U. Gröber, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Metabolic Tuning statt Doping, Mikronährstoffe im Sport, U. Gröber, Hirzel Verlag Stuttgart

Mikronährstoffe im Sport, M. Schauer, 1. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte