Folsäure – zur Bildung der Blutkörperchen

Folsäure - Spinat

Folsäure (Folat)


Die Bezeichnung Folsäure leitet sich aus dem lateinischen folium = Blatt, also Blättersäure ab, da es erstmalig gelang, das wasserlösliche Vitamine Folsäure aus circa 4 Tonnen Spinat zu isolieren.

Die Folsäure spielt eine herausragende Rolle bei der DNA-Synthese. Die aktive Form der Folsäure ist die reduzierte Tetrahydrofolsäure (THF, TH4), die vor allem in den Kraftwerken unserer Zellen, den Mitochondrien, hergestellt wird.

Lebenswichtige Funktionen kommt der THF und all ihren Derivaten vor allem bei der Zellneubildung, der Zellteilung, der Blutzellbildung im Knochenmark (Hämatopoese), der Homocystein-Regulation (Methyl-Gruppenstoffwechsel und Arterioskleroseschutz = Minimierung von Gefäß und Herzerkrankung) und unserem DNA-Aufbau zu.

In unserer Nahrung liegt die Folsäure vor allem als Pteroylpolyglutamat vor, die vor der Resorption im proximalen Teil des Dünndarms zinkabhängig enzymatisch zu Monoglutamaten verändert werden muss. Der aktive Transport von Folsäure, der in der im Bürstensaum der Mukosazellen des Darms stattfindet wird durch Glukose und Natrium stimuliert.

In unserer gemischten Kost liegen nur circa 25 % der Folsäure in der freien Form des Monoglutamat vor, Diese werden allerdings zu 90 % resorbiert.

Zu 75 % liegt die Folsäure hier in Polyglutamaten vor, die nur zu 20 % resorbiert werden.

In den synthetisch  hergestellten Folsäurepräparaten befindet sich daher häufig Pteroylmonoglutamat, das eine Resorptionsrate von über 90 % zeigt.

Folsäurequellen sind vor allem grünes Blattgemüse, Weizen Keimen, Fleisch, Käse, Milch, Hefe, Tomaten und Obst.

Die Folsäure hat viele bedeutsame Funktionen in unserem menschlichen Organismus.

Es ist ein bedeutendes Coenzym im Stoffwechsel unserer Aminosäuren, beispielsweise bei der sogenannten Methylierungsreaktion von Homocystein zu Methionin oder der Umwandlung von Glycin zu Serin.

Die wohl bedeutendste Rolle spielt es bei der Embryogenese. In zahlreichen Studien wurde der Zusammenhang zwischen einem Folsäuremangel und dem Auftreten eines sogenannten Neuralrohrdefektes in der Schwangerschaft dokumentiert. Durch eine Folsäureeinnahme ist eine Reduktion des Auftretens eines Defektes um bis zu 72 % zu erreichen.

Äußerst problematisch ist bereits ein Folsäuremangel bei Frauen zu Beginn der Schwangerschaft. Hier zeigt sich eine deutlich erhöhte Früh- und Mißgeburtenrate, die im Zusammenhang mit einer schlechten Grundversorgung der Folsäure bestehen.

Durch eine Einnahme von Folsäurepräparaten bereits vor der Schwangerschaft zeigen sich deutlich weniger Lippen –, Kiefer –, und Gaumenspalten, angeborene Herzfehler sowie angeborene Fehlbildungen der Harnwege und der Gliedmaßen.

Folsäure ist bei Entgiftungsreaktionen der gefäß- und neurotoxischen Aminosäure Homocystein das wichtigste Coenzym. Homocystein zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten von Schlaganfällen, Venenthrombosen, Morbus Alzheimer und wie schon erwähnt von Schwangerschaftskomplikationen.

Circa 75 % eines erhöhten Homocystein-Plasmaspiegels von >10 µmol/l beruhen auf einem Folsäuremangel, sowie Mangel an Vitamin B6 und B12.

Daher spielt die Folsäure auch für den aktiven Sportler eine bedeutende Rolle, da die Art, die Dauer und auch die Intensität einer Belastung im Sport deutliche Auswirkungen auf den Homocystein–Methionin–Stoffwechsel hat.

Wenn wir regelmäßig in eine moderate Ausdauerbelastung wie zum Beispiel Joggen oder Fahrradfahren gehen, sind wir in der Lage unseren Homocystein-Spiegel leicht zu senken.

Handelt es sich allerdings um kurze, intensive oder um langanhaltende extensive Belastungen wie zum Beispiel ein Marathon oder ein Triathlon, sind diese Belastungen häufig mit einem Anstieg des Homocystein-Spiegels verbunden.

Durch eine Reihe von chemischen Reaktionen, an denen Folsäure gemeinsam mit weiteren Coenzymen wie Vitamin B12, B6, B2 und die Aminosäure Serin beteiligt ist, wird Homocystein in Cystein und Glutathion umgewandelt.

Die empfohlene Zufuhr von Folsäure Laut D–A–CH liegt für Jugendliche und Erwachsene bei 400 µg pro Tag und für Schwangere und stillende Frauen bei 600 µg pro Tag.

Bei einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen 400 µg synthetische Folsäure zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekt bereits über vier Wochen vor Schwangerschaftsbeginn und über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten einnehmen.

Die Aufnahme sollte grundsätzlich zwischen den Mahlzeiten erfolgen.

Bei oraler Aufnahme ist Folsäure in der Regel gut verträglich, allenfalls in hohen Dosierungen können in seltenen Fällen allergisch Reaktion wie Juckreiz, gastrointestinale Störungen oder Schlafstörung auftreten.

 

Quellen:

Biochemie des Menschen, F. Horn, G. Lindenmeier et al, 2. korrigierte Auflage, Thieme Verlag

Sport und Ernährung, Chr. Raschka, St. Ruf, 4., unveränderte Auflage 2018, Thieme Verlag

Mutschler Arzneimittelwirkungen, Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Mutschler et al., 10. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Mikronährstoffe, Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, U. Gröber, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Metabolic Tuning statt Doping, Mikronährstoffe im Sport, U. Gröber, Hirzel Verlag Stuttgart

Mikronährstoffe im Sport, M. Schauer, 1. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte