Vitaminoid Coenzym Q10 – zur Umwandlung von Nahrungsenergie

Vitaminoid Coenzym Q10

Vitaminoid Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist ein lipophiles Molekül, dass fest in die innere Mitochondrienmembran eingelagert ist. Es besteht aus einer variablen Isoprenoid – Seitenkette, die bei Menschen aus 10 Isopren – Einheiten zusammengesetzt ist. 

Seinen Namen hat das Molekül zum einen vom Chinonring, zum anderen von seinem ubiquitären (lat. ubique= überall) Vorkommen. 

Coenzym Q10 kommt in zwei Formen vor, die beide für die zelluläre Energiegewinnung unverzichtbar sind. Die aktive Form ist das Ubiquinol, die oxidiert Form ist das Ubiquinon. 

 

In der Leber kann Coenzym Q10 aus den Aminosäuren Phenylalanin und den Vitaminen B3, B5, B9 und B12 synthetisiert werden.  

Auch über die Nahrung kann diese vitaminähnliche Substanz (= Vitaminoid) dem Körper zugeführt werden.  

Zusätzlich können wir circa 5-10 g über die Nahrung aufnehmen. Lebensmittel mit einem hohen Coenzym Q10 Anteil sind beispielsweise Fleisch, Fisch, Nüsse, Hülsenfrüchte, Sesamsamen, Sonnenblumenkerne, Pflanzenöle, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln, Spinat, Rosenkohl und Brokkoli.  

Aufgrund seiner zentralen Funktion unter anderem in der Energieerzeugung, kommt es in sehr stoffwechselaktiven Organen, wie zum Beispiel dem Herzmuskel, der Leber, der Milz, der Bauchspeicheldrüse und den Nieren in hohen Konzentrationen vor. 

Ein erwachsener Mensch hat einen Gesamtbestand an Coenzym Q10 von circa 0,6-2 g.  

 

Als wichtiger Bestandteil der mitochondrialen Enzymkomplexe spielt Coenzym Q10 eine zentrale Aufgabe bei der Umwandlung von Nahrungsenergie (zum Beispiel aus Fetten und Kohlenhydraten) in zelluläre Energie in Form von ATP. 

Durch die Oxidation von Glukose und Fettsäuren entstehen sogenannte Redoxäquivalente, auf die mit Hilfe durch Coenzym Q10 Elektronen auf Sauerstoff (O2) übertragen werden, wobei Wasser (H2O) entsteht. 

Dadurch entsteht ein Membranpotential, dass zur Synthese von energiereichen Phosphaten (ATP) verwendet wird. Man nennt diesen Vorgang auch oxidative Phosphorylierung oder Atmungskette.  

In diesem komplexen biochemischen Stoffwechselvorgang nimmt das Coenzym Q10 eine Schrittmacherfunktion als Elektronentransporter in den Komplexen 1/2 bis Komplex 3 ein und sorgt somit dafür, dass der Energiefluss in den Zellen in Gang gehalten wird und kann so einem zellulären Energiemangel entgegenwirken.  

 Als fettlösliches Antioxidans, schützt es unsere DNA, unsere Lipide (z.B. LDL) und unsere Zellmembran (z.B. die der Mitochondrien) vor Zerstörung durch freie Radikale und reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies (z.B. Peroxynitrit). 

 Ebenfalls es ist in der Lage, oxidativ verbrauchtes Vitamin E zu regenerieren und reaktivieren, sodass dieses wieder seine antioxidativen Eigenschaften aufnehmen kann. Man nennt dies auch einen Vitamin–E–Spareffekt. 

 

Durch die Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, vor allem durch eine Steigerung der Phagozytose-Aktivität der Makrophagen und Proliferation der Granulozyten ist Coenzym Q10 ein wichtiger Bestandteil eines gut funktionierenden Immunsystems. 

 Neben diesen zentralen Stellungen in unserem Stoffwechsel kommen dem Coenzym Q10 noch viele weitere bedeutende Funktionen, z.B. im Bereich der Zellmembranstabilisierung, der Zellmembranintegrität, sowie dem Stoff- und Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Zellkompartimenten zu.  

 

Ein Coenzym Q10 Mangel kann dazu führen, dass unser Stoffwechsel nicht genug Energie in Form von ATP produzieren kann. Dies kann die Leistungsfähigkeit des gesamten Organismus beeinträchtigen.  

 Ein solcher Mangel oder ein erhöhter Bedarf kann bei Stress, starker Muskelarbeit (Sport!), hohem Alkoholkonsum, Infektion, mitochondriale Störungen und Krankheiten wie Herzmuskelschwäche, Diabetes mellitus, Krebs, Migräne, Morbus Parkinson oder Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Auch im zunehmenden Alter sinkt der Coenzym Q10-Gehalt deutlich ab. 

Ebenfalls können verschiedene Medikamente den Bedarf an Coenzym Q10 steigern, zum Beispiel Beta Blocker, Cholesterinsenker vom Statin-Typ, Parkinson Mittel (L-Dopa) oder vereinzelte Antidepressiva. 

 Gerade im Sportbereich ist eine unzureichende Versorgung mit Coenzym Q10 sehr häufig anzutreffen. Erste Untersuchungen diesbezüglich gab es bereits Ende der sechziger Jahre durch den Entdecker des Coenzym Q10, Prof. Karl Folkers, der die amerikanische Schwimmnationalmannschaft untersuchte und bei allen Schwimmern eindeutig erniedrigten Coenzym Q10–Spiegel feststellte.  

Mögliche Symptome bei einem Coenzym Q10 Mangel können eine Störung der aeroben Kapazität, vorzeitige Erschöpfung, chronische Müdigkeit, verstärkte Atmung unter Belastung, erhöhter Puls, erhöhte Laktatwerte, eine schlechte Ausdauerleistung und eine deutlich erhöhte Infektanfälligkeit (z.B. häufige Infekt der oberen Atemwege) sein. 

 

Daher kann eine gezielte individuelle Supplementierung von Coenzym Q10 die Ausdauerleistung verbessern, die Regenerationsphasen verkürzen und das Immunsystem stärken.  

Dafür sollte eine Blutspiegel von mindestens 2,5 µg/ml an Coenzym Q 10 erreicht werden.  

Dafür ist aufgrund des erhöhten Bedarfs häufig eine regelmäßige Einnahme eines gut bioverfügbaren Coenzym Q10 Präparates notwendig. 

Grundsätzlich muss man hier allerdings festhalten, dass es zum Tagesbedarf laut aktueller Studienlage noch unterschiedliche Angaben gibt.  

In Europa beispielsweise wird der Tagesbedarf für Nicht-Sportler auf 30-120 mg Coenzym Q10 gesetzt.  

Ausdauersportler und ambitionierte Breitensportler sollten lt. U. Gröber einen Serumspiegel von 1,2-2,5 µg/ml anstreben und hierzu 60-150 mg Coenzym Q10 pro Tag einnehmen. 

Leistungssportler hingegen sollten einen Serumspiegel von 2,5-4 µg/ml anstreben und benötigen laut U. Gröber hierfür eine Dosierung von etwa 150-500 mg Coenzym Q10 pro Tag. 

Bei Herzinsuffizienz-Patienten konnten gute Erfolge erzielt werden, die mit einer Dosis von 240-360 mg Coenzym Q10 behandelt wurden. 

Grundsätzlich sollte man bei der Einnahme von Coenzym Q10 noch beachten, dass man es mit den Mahlzeiten einnimmt, da die dort vorhandenen Nahrungsfette die orale Bioverfügbarkeit deutlich verbessern.  

Ebenfalls sollte ein guter Selenstatus gewährleistet sein, da hierdurch die zelluläre Verwertung von Coenzym verbessert wird.  

  

Quellen: 

Biochemie des Menschen, F. Horn, G. Lindenmeier et al, 2. korrigierte Auflage, Thieme Verlag 

Mikronährstoffe, Metabolic Tuning – Prävention – Therapie, U. Gröber, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 

Metabolic Tuning statt Doping, Mikronährstoffe im Sport, U. Gröber, Hirzel Verlag Stuttgart 

Mikronährstoffe im Sport, M. Schauer, 1. Auflage 2020, Verlagshaus der Ärzte