L-Carnitin – deine körpereigene quartäre Ammoniumverbindung

L-Carnitin - Frau beim Boxen

L-Carnitin (Hydroxycarbonsäure)

L-Carnitin ist ein Vitaminoid, genauer eine körpereigene quartäre Ammoniumverbindung, die unser Körper aus den Aminosäuren Lysin und Methionin selbst herstellen kann.

Der Name Carnitin leitet sich vom lateinischen Wort „Carne“ (Fleisch) ab, da dieser Mikronährstoff bis auf wenige Ausnahmen fast ausschließlich in Fleisch enthalten ist.

 

Die Lebensmittel, die den Tagesbedarf an Carnitin abdecken sind zum Beispiel 100 g Schaffleisch, 150 g Rindfleisch oder 350 g Schweinefleisch.

Aber auch in Pilzen (circa 15 mg pro 100 g) und in Käse (circa 0,6-12,7 mg pro 100 g) ist Carnitin vorhanden.

Unser Körper ist allerdings nur begrenzt in der Lage, Carnitin aus der Nahrung aufzunehmen, d.h. circa 54-87 % des in der Nahrung enthaltenen Carnitin können aufgenommen werden. Unser Körper kann in Summe nur eine Menge von circa 20-25 mg Carnitin speichern.

 

Für die Körpereigene Synthese von Carnitin unserem Organismus ist eine ausreichende Menge an Cofaktoren notwendig, vor allem an Eisen, Vitamin C, Pyridoxin (Vitamin B6), Niacin (Vitamin B3), Folsäure und Alpha–Ketoglutarat.

Stehen all diese Mikronährstoffe in einer ausreichenden Konzentration zur Verfügung, ist die Wahrscheinlichkeit von Carnitin-Mangelerscheinungen relativ niedrig.

 

L–Carnitin wird vor allen Dingen in der Skelettmuskulatur gespeichert, beziehungsweise in allen Geweben, die ihren Energiebedarf hauptsächlich aus Fetten abdecken, zum Beispiel Herz, Leber und Nieren.

 

Das Vitaminoid kann als mitochondrialer Stoffwechselregulator bezeichnet werden, da es eine zentrale Rolle beim Transport und der oxidativen Verstoffwechselung von langkettigen Fettsäuren einnimmt.

Die Fettverbrennung, auch Beta-Oxidation genannt, findet innerhalb der Mitochondrien statt. Da die Außenhaut (Membran) der Mitochondrien fettundurchlässig ist, müssen die zu verbrennenden, langkettigen Fettsäuren mit L-Carnitin, das als Transporter (Carrier) dient, in die Mitochondrien hineingeschleust werden. Dies geschieht mit Hilfe von Carnitin abhängigen Enzymen (Carnitin-Palmitoyl-Transferase I und II, Carnitin-Acylcarnitin-Translokase).

 

Es gibt verschiedene Formen von Carnitin. An dieser Stelle soll genauer auf zwei Formen eingegangen werden:

Das L–Carnitin–L–Tartrat (LCLT) ist aufgrund seiner schnellen Aufnahme vor allen Dingen im Sportbereich vor oder nach dem Training sehr nützlich. Es hat Einfluss auf die Verfügbarkeit des Androgenrezeptors, der eine wichtige Bedeutung für die trainingsinduzierte Muskelhypertrophie hat. Eine erhöhte Zufuhr von dieser Carnitin Form resultiert in einer gesteigerten Proteinsynthese nach einem Widerstandstraining.

 

Acetyl–L–Carnitin (ALCAR) zeigt vor allen Dingen ein hohes Wirkungsspektrum im neurologischen Bereich, da ist die Fähigkeit hat, die Blut-Hirn–Schranke zu überwinden. Es verbessert hier die Nervenreiz- und Informationsweiterleitung im Gehirn.

 

L-Carnitin besitzt außerdem eine ganze Reihe von Schutzfunktion gegen metabolische Störungen der Zelle und spielt aufgrund seiner Transporterfunktion in den Mitochondrien auch eine große Rolle in der Entgiftung von toxischen Stoffwechselprodukten und schützt dadurch die Mitochondrienmembran.

 

Sie besitzt neben diesen antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften außerdem immunmodulierendes Potential durch Steigerung der Lymphozyten Proliferation und Steigerung der Aktivität der natürlichen Killerzellen.

 

Unser Glukose- und Aminosäure-Stoffwechsel wird durch die regulierende Funktion des

L-Carnitin auf die Verfügbarkeit von Coenzym A unterstützt. Die Konzentration von Laktat wird reduziert, sodass der Citratzyklus als Drehscheibe des Intermediärstoffwechsels ungestört ablaufen kann und es zu keinem Aufstau von Citrat kommt.

 

Da der menschliche Körper nur eine bestimmte Menge von bis zu 25 mg Carnitin speichern kann, kann es bei Sportlern aufgrund des deutlich erhöhten Bedarfs durchaus zu Mangelzuständen kommen.

Ein 70 Kilo schwerer Erwachsener verfügt beispielsweise über 15-20 g Gesamtcarnitin von dem circa 95 % in der Herz- und Skelettmuskulatur gespeichert sind und 2-3 % in der Leber und Niere. Lediglich 0,1-1 % des gespeicherten L-Carnitin sind in extrazellulären Flüssigkeiten zu finden.

 

Mangelsymptome können sich zum Beispiel durch eine Beeinträchtigung der ATP-Bereitstellung aus der Fettsäurenverbrennung und durch Hemmung der Coenzym A abhängigen Stoffwechselprozesse negativ auf die Leistungsfähigkeit eines Sportlers und auf das Immunsystem auswirken. Es kann zu Störungen im Fettstoffwechsel kommen und gerade der Herzmuskel, der eine besonders hohe Konzentration von Carnitin benötigt, kann einen gesundheitlichen Schaden nehmen. Beispielsweise steigt das Risiko eines Herzinfarktes an.

 

In den letzten Jahren wurde Carnitin in der Wissenschaft häufig kontrovers diskutiert.

Die aktuelle Studienlage zeigt allerdings, dass Carnitin nur dann in die Muskulatur gelangt, wenn die Einnahme mit einer Kohlenhydrat Aufnahme kombiniert wird. Die alleinige orale Einnahme von L-Carnitin erhöht zwar den Carnitin-Spiegel im Blut, nicht allerdings den Gehalt von Carnitin in der Muskulatur.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass es trotz der gesteigerten Kohlenhydrataufnahme in Kombination mit L-Carnitin zu keiner Zunahme des Körperfettanteils kommt.

 

In welcher Dosierung sollte L-Carnitin im Sport zugeführt werden?

Die Leistungssportler sollte in der Regel 1 bis 3 g pro Tag zuführen, bei höher intensiven Wettkämpfen, zum Beispiel im Triathlon oder Extremmarathon können auch noch höhere Dosen, zum Beispiel 4-5g pro Tag eingenommen werden. Doch nicht nur im Ausdauersport kann L-Carnitin Anwendung finden. Aufgrund der neuroprotectiven Wirkung würden auch andere Sportarten wie zum Beispiel Boxen und andere Kampfsportarten, sowie auch Fußballer aufgrund der häufigen Kopfbälle von einer zusätzlichen L-Carnitin Supplementation profitieren.